Verfasst von: binsento in: Montag, 7 Dezember, 2009
Here is a short guide on how to keep on using your Android handset without bothering with the pesky Japanese prepaid phones. You can buy a flatrate for your „EMails“ which are actually forwarded MMS for 315 Yen a month. Here are the settings for it to work (note that you can NOT use the regular internet with a softbank prepaid):
Settings — Wireless Controls — Mobile Networks — Access Point Names — Menu Button — New APN:
Name it whatever suits you.
APN: mailwebservice.softbank.ne.jp
Proxy: leave blank
Port: leave blank
Username:softbank
Password:qceffknarlurqgbl
Server:leave blank
MMSC:http://mms/
MMS Proxy: sbmmsproxy.softbank.ne.jp
MMS Port:8080
MCC:440
MNC:20
APN type:either „mms“ or leave blank doesnt make a difference with prepaid
Menu Button: Save
Now you have to open the messaging app and go to settings, scoll down to custom user agent and choose to enter your own custom string and enter:
Vodafone/1.0/V802SE/SEJ002 Browser/VF-Netfront/3.3 Profile/MIDP-2.0 Configuration/CLDC-1.1
That’s it. You should be able to send Emails from your messaging app to any email address. This does work with HandcentSMS as well. Couln’t confirm ChompSMS. To recieve HTML-Emails you might have to download an app to save MMS-attachments. Bothersome but well worth it.
Verfasst von: binsento in: Mittwoch, 18 November, 2009
This post is going to be in English, since it is a long answer to a post on another blog.
Lately I have been looking for a way to archive my huge stockpile of academic research related information that accumulated on my PC as PDF files or as printouts/copies/scrap all over the place. Since many people seem to have similar problems and I couldn’t find a convincing solution anywhere on the internet I developed something that seems to suit my needs perfectly.
The problem: There is no quick way to search a huge physical archive of ideas/information effectively without having to make compromises of some sort.
Citing the half-awake blog:
One solution could be to completely archive everything electronically, scan it, file it on your pc and print out on demand. This is not only a huge waste of time and paper, it’s also not very practical for certain types of information, since the physical copies might be too big or too numerous to scan.
My solution:
Double-file everything. Now this seems like a pretty long way to go but I’m convinced it’s going to pay out in the end.
Step 1: Get a label printer and start printing labels with continuus numbers starting at 00001 (I guess you’re not going to get over 100.000 scraps/articles/whatever (there might be a better way for this A0001 etc. be creative). You print these and put them on EVERY piece of fileable stuff you have. If something belongs together, tack it, attach it, make it (semi)permanently stick together or use a separate folder. This way you can even archive little scraps of paper with a single idea on them. All these items are to be kept in exactly the order they were created, starting at zero.
Step 2: Now this is the part where I’m still not quite sure which solution would be best.
It boils down to this: You actually don’t store any information about the *physical* file on or in the file itself. It’s meta-information become completely digital. So you need a way to store keywords, title, author, abstract whatever you can think of or want to attach to that specific file. You absolutely NEED keywords/tags for this. You would simply include the number you have assigned earlier to the physical file inside the corresponding database entry and you can zip out the file from your archive in no time.
What I basically envision is a database that works like delicious.com in regards to the searchability and the possibility to assign tags to your items. This might provide some hints. I think citeulike or bibsonomy might be suited best for this. You could of course also choose to make a Microsoft Access database and store everything locally. Beware though: Making no backup of this database, whether it’s in the cloud (see the recent Sidekick fail) or on your PC could be the worst mistake of your life. If you loose this database you will have a wild assortment of scap that is going to take forever to put back in order so be warned. For backing up your local file I recommend a service like mozy.com or something similar.
Now you could even include PDF-Files or Word-Documents on your PC, named in the same fashion, stored in a single place and include them in the database. The only drawback I see is the inability to search through your archive physically. You will have to rely on your PC for the metainformation.
Looking forward to any input in the comments.
Verfasst von: binsento in: Montag, 13 Juli, 2009
Erleichtert und befriedigt war ich auch, nachdem ich über folgendes Juwel aus dem japanischen Internet gestolpert bin:
http://www.office-agents.com/
Office Agents bietet einen sogenannten dairi/daikô Service für alle Gelegenheiten an. Dairi bzw. daikô bedeutet soviel wie Ersatz oder Vertretung. Hier ein kurzer Auszug aus der schier unerschöpflichen Palette von Dienstleistungen die dort feilgeboten werden:
Stellvertretende Teilnehmer an Hochzeiten und Hochzeitsbanketten
Totenfeiern, Mahnwachen, Seminare, Partys
Ab hier wird es lustig:
Freunde, Liebhaber, Bekannte, Familie
Zuletzt findet sich noch eine Reihe weiterer sehr dubioser Services wie die Herstellung einer Hausarbeit oder eines Essays in Vertretung, zu einer bestimmten Zeit einen Anruft mit einem bestimmten Inhalt tätigen, dem Partner hinterherspionieren, Unterstützung bei der Konstruktion eines Alibis etc., etc.
Die Liste ist praktisch unerschöpflich. Office Agents scheint auch tatsächlich verantwortlich für größere Schlangen bei Ladeneröffnungen in Tokyo gewesen zu sein. Interessant dürfte sein, woher Office Agents ihr Personal beziehen. Das müßten trainierte Schauspieler/Lügner sein, die man wohl kaum bei Hello Job aufgabeln kann.
Verfasst von: binsento in: Sonntag, 26 April, 2009
It’s time for change!
Auch in Japan ändert sich gerne alles und ständig. Beim Gang durch die Gässchen in den Vorstädten fällt auf, daß der Schiefzähnige SOA-Sonny seltener geworden ist. Anstelle seiner verkündet nun eine überaus attraktive, junge Mittvierzigerin mit blendenden Zähnen, sie habe eine Vision. Auf Englisch versteht sich. Selbstredend ist dies nicht das Englisch, welches einem auf den zahllosen Postern gegen sexuelle Belästigung oder gegen Drogengebrauch oder gegen schlechtes Benehmen in der U-Bahn begegnet. Also kein Englisch, gerichtet an/gegen die kiffenden Rüpelkriminellen mit den hohen Nasen.
I have a vision!
Das versteht wohl sogar Oma, die sich einmal die Woche mit ihren greisen Freundinnen zum Englischclub trifft, damit sie dann ein paar Jahre später, geistig verwirrt durch die Parks zum Kirschblütenfest bogaunert und versucht einen Weißen für ihre depressive Tochter zu ergattern. Obama hat seine großen Fußabdrücke quer in der Welt hinterlassen wie es aussieht und in den PR-Agenturen Japans scheinen in den letzten zwei Jahren so einige Köpfe gerollt zu sein. Die übertriebene Schlemil-Pathetik, ungewollt komisch bisweilen, scheint einer emotionalen Profipathetik Platz zu machen. Man hat gelernt vom großen Bruder aus Übersee. Und blicken wir doch der Wahrheit ins Auge, jeder Beteuerung, daß Wahlkampf argumentativ und nicht charismatisch geführt werden sollte zum Trotz, niemand möchte jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit tausende Konterfei eines pickeligen Lokalkandidaten mit seiner öligen Haut und den Pomaderesten im Haar sehen müssen. Und wenn der einzige meritto der hübschen Roboterfrau mit ihrer Vision der Umstand ist, daß mir das Frühstück bei ihrem Anblick nicht wieder hoch kommt oder ich sie zumindest leichter ignorieren kann, sei’s drum.
Der nächste Wahlkampf wird jedenfalls spannend.
Verfasst von: binsento in: Mittwoch, 1 April, 2009
Hier meine Adresse, falls sie jemand braucht:
University of Tokyo International Lodge
Tokyo-to Meguro-ku Komaba 4-6-29-K612
153-0041 Japan
Auf Japanisch:
153-0041
東京都目黒区駒場4ー6ー29ーK612
東大インターナショナルロッジ
Verfasst von: binsento in: Mittwoch, 1 April, 2009
Erster Tag im Wohnheim. Werde von Armeen von Schimmelpilzen hinter der Plastikverkleidung meiner WC- und Duscheinheit (erstaunlich, daß man ein ganzes Badezimmer auf einen Quadratmeter quetschen kann) begrüßt. Auch wenn eine schöne Patina hierzulande gerne gepflegt und kultiviert wird, kommt mir die Chlorbleiche aus dem Drugstore nur allzu recht. Und so sind meine Mitbewohner innerhalb einer Stunde auf etwa null dezimiert.
Japan ist ein feuchtes, warmes Land, dessen Klima mit großem Appetit sämtliche der Witterung ausgesetzen Dinge verschlingt. Vielleicht baut man eben deshalb Dinge lieber neu, als sie zu reinigen oder zu restaurieren. Dies erklärt sowohl die ungewollte Patina in meinem Bad, als auch die ungläubigen, fragenden Blicke bei meiner Nachfrage, wozu denn die stattliche Reinigungsgebühr verwendet wird, die ich noch zu zahlen habe.
Man scheint hier nicht ganz so eifrig kontrolliert zu werden, wie in Wohnheimen anderer Universitäten. Keine Wachmänner, kein Stacheldraht. Dafür ein gruselig anmutendes Einführungsvideo, welches mir der Australier in der Lobby gnädigerweise erspart, bevor er mir meinen Zimmerschlüssel überreicht.
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Verfasst von: binsento in: Freitag, 20 März, 2009
Verfasst von: binsento in: Freitag, 20 März, 2009
Von Gifu nach Kyoto zwei Stunden im Zug verbracht. Das schwere Gepäck stört die JR Schaffner augenscheinlich, und so fährt man dann mit dem schlechten Gewissen, mit seinem Fahrrad jeden zu behindern gen Westen.
Kyotos dynastische Vergangenheit findet ihren Ausdruck in jeder Ecke der Stadt. Man fühlt sich sofort zuhause, kleine Gassen, alles im Schachbrettmuster. Die Orientierung fällt sofort sehr leicht und so rausche ich bald mit dem Rad durch die ausladenden Tempelanlagen im Osten der Stadt. Es gibt unglaublich viel zu sehen und ein Tag Aufenthalt reicht bei weitem nicht aus, um Kyoto in seiner Gänze zu erfassen. Die Menschen, völlig anders als in Tokyo (und glücklicherweise auch Osaka) wirken trotz der geringen Größe ihrer Heimatstadt sehr gehetzt. Wenn sich abends alles etwas beruhigt hat, wird es allerdings sehr, sehr viel langsamer als in Tokyo. Die Luft ist burgeois gefüllt mit dem Parfümgeruch der dicken Damen, die mit ihren bräunlichen Sonnenbrillen aussehen wie direkt den Sechzigern entschlüpft. Wo man in Tokyo im Gucci Kleidchen frierend durch die Nacht stöckert, trägt man in Kyoto Pelz und Goldschmuck spazieren.
Am nächsten Tag dann weiter nach Osaka. Viel zu früh, Kyoto bietet mehr zu sehen als jede andere Stadt bisher. Osaka eigentlich überhaupt nichts. Es ist laut, die Menschen sind ignorant bis unfreundlich. Überall Obdachlose, Graffiti allerorts. Die günstigen Unterkünfte liegen dann auch gleich neben der Suppenküche; irrer Straßenprediger inklusive. Einziger Lichtblick ist das, zugegebenermaßen, gute und günstige Essen auf der Straße.
Schnell weg von hier, gerne auch ohne Dusche am nächsten Morgen, denn die Duschen sind nicht nur gering an der Zahl, sondern auch vom Schwarzschimmel heimgesucht. Wie in übrigens fast jedem billigen Hotel.
An dieser Stelle eine kleine, verwunderte Exkursion in die glibschige Welt der japanischen Badekultur.
Egal wie teuer oder exquisit das Bad auch sein mag, Onsen, Dusche, Sento oder Schwimmbad, es gibt keine Badelatschen und niemand würde auch nur auf den Gedanken kommen, welche zu benutzen. Dies bedeutet, daß sich selbst im Dogo Onsen, der schon in Schriften aus dem achten Jahrhundert erwähnt wird, und der gut gepflegt und besucht ist, die Herrschaften vor über 1000 Jahren bereits ihren Fungus zwischen den Zehen holen konnten.
Auf dem Weg in den Badebereich, muß der unbedarfte Besucher in Ermangelung eigener Latschen also zuerst durch die sieben Vorhöllen der Warzen und Fußpilze schreiten. Man strauchelt, man taumelt, doch irgendwo kommt der Fuß dann doch mit dem alten Handtuch, in dem sich schon literweise Fußwasser befinden muß, oder der glitschigen Holzplanke, grünlich an den Ecken und zu groß, um darüber hinweg zu treten, in Berührung. Im Badebereich selbst muß man sich nun auf einen kleinen Schemel (idealerweise aus dem gleichen schmierigen Holz) hocken, um sich dann von Kopf bis Fuß einzuseifen. Danach geht es dann ins brühend heiße, ungechlorte Becken.
Der Höhepunkt ist dann die Sauna mit bereits ausliegenden Handtüchern, die mit Glück einmal am Tag gewechselt werden.
Auch die unweigerlich hinter jeder Eingangstür vorhandenen Hausschuhe können wohl kaum zur besseren Fußhygiene beitragen. Besonders perfide sind die Toilettenschuhe, in die man wechseln muß, bevor man sich zum Beispiel im Restaurant erleichtern darf.
Wer ein wenig Fernsehen schaut, wird merken, daß dies alles so dermaßen automatisiert ist, daß die Absurdität des ganzen den Japanern wohl nicht mehr auffällt. So schlüpfen Polizisten, wie fliehende Verbrecher in jedem Fall in die Hausschuhe, wenn die Verfolgungsjagd in eine Wohnung führt und es wird nicht gelacht, es erscheint nicht seltsam oder absurd.
Am nächsten Tag raus aus Osaka und Richtung Kobe die Küste entlang.
Verfasst von: binsento in: Montag, 16 März, 2009
Tag 5 und 6
Wenige Kilometer
Weg von der Küste, raus aus der Shizuokapräfektur. Weg von den Fischmehlfabriken und den Sturmzerpfurchten, entvölkerten Siedlungen, die sich Dank des riesigen Betonlegos der Brandung entgegenstellen. Fischer gibt es sowieso keine mehr. Die Meere sind genauso leer wie die Kinderzimmer. Nicht einmal Hunde auf der Straße. Argwöhnisch beäugt von alten Pärchen am Krückstock. Nur weg von dort, nach Norden ins Land hinein.
Alles sieht hier ein wenig mehr aus, wie man sich wohl das traditionelle, unberührte Japan vorstellt. Berge, blaue Dachziegel, sogar ein wenig Schnee begleiten mich auf meinem Weg. Natürlich möchte man nur Schönes sehen. Geschuldet ist’s den kitschigen Touristenführern, ohne Unterlaß und in ständig neuen Auflagen von den Preßwerken ausgespuckt, präsentiert sich Japan dort als unendliches Schloß Neuschwanstein. Lange Gesichter bei den britischen Touristen in meinem Abteil während nichtssagende Kleinstädte mit ihren engen Hochhaustürmen und schimmeligen Fassaden draußen am Fenster vorbeiziehen. Flachland ist knapp, also werden die Menschen selbst auf dem Land zusammengepfercht, ungeachtet der großen Äcker, ein paar hundert Meter weiter.
Umsteigen jetzt.
Verfasst von: binsento in: Freitag, 13 März, 2009
Tag 3
8 Stunden
80 Kilometer?
Drei Tage habe ich nun schon mit ihr verbracht. Der weißen Linie am Straßenrand, ständig umtänzelt von meinen Reifen. Mal ausgefranst, fast durchscheinend und unsichtbar, mal gerade aufgesetzt, weiß und leuchtend rauscht sie mir vorbei. Ich lerne mit der Zeit ihre unterschiedlichen Qualitäten zu schätzen oder zu hassen. Ihren Abstand vom Straßenrand, wie dick oder zerfahren sie ist. Zu keiner Zeit hat sie mich fehlgeleitet oder ganz verlassen. Nur die langen Kilometer an der Küste mußte sie ihrer gelben Schwester mit den pockigen Erhebungen weichen.
Tag 4
Bisher 5 Stunden
40 Kilometer
Brasilianisch. Auf Schildern, auf der Straße und in Gesprächsfetzen, die mir entgegen wehen. Einmal werde ich sogar angesprochen, ob ich Brasilianer sei. Die rückemigrierte brasilianische Minderheit an der Südostspitze Japans macht’s möglich. Brasilianische Restaurants habe ich zwar keine gesehen, ein Braziltown hätte mich allerdings nicht gewundert. Wie sich wohl brasilianisches Portugiesisch mit japanischem Einschlag für einen Portugiesen anhören mag, frage ich mich unwillkürlich.
Habe das Fahrrad zusammengepackt und mich für eine zweistündige Fahrt in die Bahn gesetzt. Nach Gifu geht es, nördlich von Nagoya. Ich habe mich selten so gesund, so fit und so voll von Energie gefühlt. Nur die verflixten Knie machen nicht mit. Zwei Tage Pause in den Bergen genügen hoffentlich, um sich wieder auf den Weg zu machen. Danach Osaka und Kyoto.
Verfasst von: binsento in: Mittwoch, 11 März, 2009
Zu geringe Verfügbarkeit von drahtlosem Internet und zu viel auf der Straße verbrachte Zeit zwingen mich, diesen Post kurz zu halten.
Wenn ich eines in den letzten beiden Tagen gelernt habe, dann, daß es dummerweise immer anders kommt als geplant.
Tag 1
100 Kilometer
9 Stunden
Der erste Tag fing recht beschwingt mit einem Ritt durch das Zentrum Tokyos an. Ich wußte, daß es nicht leicht werden würde, dem Maelstrom zu entkommen und etwas zu Gesicht zu bekommen, das nicht wie Vorort aussieht. Ich hatte keine Ahnung, was mir an diesem Tag noch bevorstand.
Da ich schnell die graue Betonwüste hinter mir lassen wollte, entschloß ich mich, auf etwas zu fahren, was auf der Karte wie eine Landstraße anmutete, sich jedoch bald als überaus tückische Schnellstraße entpuppte, auf der sehr, sehr viele LKW zugegen waren. Da es bereits zu spät war, sich einen anderen Weg zu suchen, biß ich in den sauren Apfel und kämpfte mich der bergigen Gegend um den Fuji entgegen. Es war kalt und ich schwitzte trotzdem literweise. Ständig frierend und allmählich am Ende meiner Kräfte hatte ich noch ungefähr 20 Kilometer bis Gotenba, wo ich ein Zimmer im Ryokan reserviert hatte, vor mir. Ich hätte mir meinen Routenplaner wohl besser ansehen sollen, denn die schlimmsten Steigungen erwarteten mich auf den letzten 10 Kilometern. Als es dunkel wurde, meine Beine komplett ihren Dienst versagten und ich somit das Rad die Berge hinauf schieben mußte, war mir tatsächlich nur noch zum weinen zumute. Anstatt mich in die schmutzige Rinne neben der Fahrbahn zu werfen und meinem Schicksal hinzugeben, schaffte es mein zerstörter Körper es aber, sich aufzuraffen und das verdammte Rad noch irgendwie über den letzten verfluchten Paß zu schieben.
Dann ging es bergab. Ich rollte und rollte und selbst bergab konnten meine Beine nicht mehr treten. Gotenba war nun nicht mehr weit und teils schiebend, teils rollend, fand ich tatsächlich den Weg bis zum Ryokan.
Der Tag ging dann sehr schnell zu Ende. Ein kurzes Essen (viel zu wenig, mehr ging aber nicht rein), ein Bad und schon driftete ich in eine fiebrige Nacht aus Schwärze.
Tag 2
95 Kilometer
7 Stunden
Am nächsten Morgen überlegte ich kurz, noch eine Nacht dort zu bleiben. Da mich dies allerdings in meinem Zeitplan zu sehr zurückgeworfen hätte, stieg ich gegen 10 Uhr auf’s Fahrrad, einem weiteren unbestimmten Tag entgegen. Ich wurde belohnt mit stahlendem Sonnenschein, kaum Steigungen und einem surrealen 40 Kilometer Ritt entlang einer flutbefestigten Küste an der sich wie von Riesenhand verstreut, zehn oder mehr Meter hoch, Betongebilde dem Meer entgegenstemmten, die entfernte Ähnlichkeit mit Panzersperren aus dem zweiten Weltkrieg hatten. Alles sehr nett und flach. Von unberührter Natur allerdings keine Spur. Der ständig dröhnende Highway neben mir wurde langsam zur Qual. Fujisan von hinten gesehen. Sah aus wie ein riesenhafter Fladen. Nicht schön.
Abends bin ich dann tatsächlich in Shizuoka angekommen. Nach kurzer Suche ein billiges Ryokan gefunden. Heute weiter Richtung Süden.
Ausfallerscheinungen bisher:
- Knie im Eimer, Schmerzen beim Aufstehen, beim Fahren, beim gehen
- Ringfinger und kleiner Finger beider Hände taub, auch wenn ich nicht fahre
- Sonnenbrand auf der verdammten Nase, Japaner haben keine Ahnung, wenn sie mich um den Zinken beneiden
- Restlicher Körper ächtzt und stöhnt bei jeder Bewegung
Jetzt geht es weiter. Danke für den Kaffee Mr. Starbucks.
Verfasst von: binsento in: Mittwoch, 4 März, 2009
Tokyo die fünfte. Mit genug Schlaf und ausreichend Beinfreiheit angekommen. Es ist kälter als erwartet. Der Brite neben mir, mit den schiefen Zähnen und der dicken Ehefrau, bemerkt, daß es aussehe wie in London und er sich frage, warum er überhaupt hergekommen sei.
Erstaunlicherweise wurde mein Fahrradkarton nicht durchsucht und der Zollbeamte begnügte sich damit, seinen Drogenhund zweimal um mich herum zu scheuchen.
Sitze nun am Bahnsteig und wundere mich, warum ich ausgerechnet in Tokyo über 40 Minuten auf den Zug warten muß.
Verfasst von: binsento in: Donnerstag, 13 März, 2008
Das Flugzeug war voll. Bis auf den letzten Sitzplatz. Nach ein paar
Stunden eisigen Kopenhagens freut man sich dann doch darueber, sich in die Enge des Fliegers zu quetschen. Die Dame am Schalter versicherte, dass der reservierte Sitzplatz mehr Beinfreiheit bieten wuerde. Leider befindet er sich auch direkt neben der Toilette und ist derart unguenstig platziert, dass jeder Klobesucher mit den Ellenbogen die Kopflehne anstoesst. Dafuer erster Kontakt mit Chinesen. Zwei sehr junge Mitglieder des Nationalschwimmerteams Chinas. Man hat trainiert. Drueben, im kalten Kopenhagen. Als gaebe es in China keine Schwimmbaeder. Die Paralympics sind auch nicht mehr fern und ich freue mich darueber, dass mein Sitznachbar in Ermangelung eines linken Armes seine Lehne nicht benutzen kann, was den Abstand zur Klotuer fuer mich etwas vergroessert.
Es ist schwer vostellbar, welchen Unterschied zwei laecherliche Stunden Flugzeit fuer das persoenliche Wohlgefuehl machen. Wo sich der Fluggast nach 14 Stunden Berlin-Tokyo geschunden und zerschlagen aus dem Flugzeug schleppt, laeuft er an der pekinger Riesenbaustelle federnden Schrittes die Gangway hinunter. Alle Vorurteile bestaetigen sich in der Sekunde, in der man hinter die Zollabfertigung tritt: Den Rotz mit lauten Geraeuschen in die Mundhoehle und anschliessend auf den Boden befoerdernd, stehen kastige Chinesen mit zerknautschen Gesichtern uerberall im Weg herum und schreien in ihre Mobiltelefone. So tritt man dann hinaus in die staubig schwere Luft und wundert sich auch nicht mehr darueber, dass die Mitarbeiter des Airport Shuttles keinen Finger kruemmen um einem zu helfen, die Koffer in den wartenden Bus zu befoerdern.
Fahrt durch eine Stadt aus Staub. Laut einigen Studien enthaelt ein Tag Pekinger Stadtluft etwa so viel Schadstoffe wie 70 Zigaretten. So kann man dann auch ohne Probleme um drei am Nachmittag fuer Minuten in die Sonne starren, ohne blind zu werden.
Nachtrag folgt. Jetzt keine Zeit mehr. Bald mehr. V.
Verfasst von: binsento in: Samstag, 18 August, 2007
Es fällt schwer, einen halbwegs würdigen Abschluß zu diesem Erlebnis zu finden, welches ich hier so unzureichend versucht habe in Worte zu fassen. Die Unfähigkeit überhaupt, die gelähmte Zunge und die vergrabenen Erinnerungen in dem Moment, in dem man versucht, alles zu erklären, ein Skelett zu konstruieren, um die Fetzen daran zu drapieren. Und so steht man der Worte beraubt vor den fragenden Augenpaaren. Windet sich, speist das Gegenüber mit leeren Sätzen ab. Denn es läuft doch darauf hinaus: Ohne den folie a deux, den geteilten Wahn, ohne die gleiche Erfahrung, wird es dem Anderen kaum möglich sein, jemals auch nur einen Teil zu verstehen. Und es ist anzunehmen, daß sobald die Erfahrung geteilt ist, Worte sowieso keine Notwendigkeit mehr haben. Das Grundproblem der Kommunikation, nämlich, die unzureichenden Sendekanäle mit zu schmaler Bandbreite, die Sprache, plump geblieben in Millionen Jahren der Entwicklung, findet an eben dieser Stelle seinen Ausdruck. Eine Ironie eigentlich.
Verfasst von: binsento in: Dienstag, 19 Juni, 2007
Kontraste bereichern das Leben. Eigentlich besteht es nur aus Kontrasten. Sobald sie verschwinden, bewegen wir uns in einer immer gleichen, grauen Masse von Alltag. Im Allgemeinen sind Japans Kontraste eher fade und ein wenig wächsern. Wenn jedoch Menschen aus aller Welt in einer Universität zusammenkommen, um gemeinsam etwas zu lernen – oder vielleicht einfach nur Zeit totzuschlagen – entstehen Kontraste, wie man sie sich lebhafter kaum vorstellen kann. Was hier ankommt, ist das Treibholz der Globalisierung: Junge Menschen, die aus allerlei gesellschaftlichen Verhältnissen ihrer Heimatländer entstammen und es trotzdem irgendwie geschafft haben hier zu studieren. Natürlich gibt es Momente in denen es schwerfällt, die Verhältnismäßigkeit des Ganzen zu begreifen. Da gibt es beispielsweise haufenweise naseweise, verzogene, junge Gören aus Taiwan und Singapur, die in ihrem Leben nichts bewegt und nichts erfahren haben und ein Sprachprogramm, bezahlt von Papi, halbherzig bis vollkommen unbeteiligt hinter sich bringen. Dann gibt es den Studenten aus Myanmar, der sieben Jahre gespart hat, um die Studiengebühren für ein Programm aufzubringen, welches dem deutschen Austauschstudenten einfach so geschenkt wird. Dieser Student aus Myanmar, hat sein bisheriges Japanisch von Priestern in buddhistischen Tempeln gelernt und seine Schriftzeichen mit einem Stock in den staubigen Boden geritzt. Dabei schafft er es, eine der fröhlichsten und glücklichsten Personen zu sein, die ich bisher das Vergnügen hatte kennenzulernen. An dieser Stelle möchte ich meinen Hut vor ihm ziehen und auf die Rotzgören spucken. Mann darf froh sein, daß es auf der Welt noch Menschen wie den Mann aus Myanmar gibt.
Verfasst von: binsento in: Montag, 14 Mai, 2007
Die zu zumeist lustigen Wortschöpfungen, wie „Campali“ oder „Tequira“, führende Rechtschreib- und Ausspracheschwäche der Japaner bezüglich L und R, kann mitunter beinahe gefährliche Ausmaße annehmen, wie folgender Text, der Webseite der Süddeutschen entnommen, aufzeigt:
15 japanische Touristen mussten wider Willen eine Nacht in einer israelischen Siedlung im Westjordanland verbringen, weil sie den Buchstaben „L“ nicht aussprechen konnten.
Die israelische Zeitung Maariv berichtete, die Reisegruppe habe einen Ausflug in die nordisraelische Stadt Afula vorgehabt. Weil sie das „L“ jedoch wie ein „R“ artikulierten, erhielten sie in der zentralen Busstation in Jerusalem versehentlich Karten für die Siedlung Ofra im nördlichen Westjordanland.
Als die Touristen in den späten Abendstunden am Eingang der streng bewachten Siedlung eintrafen, habe der verdutzte Wächter versucht, ihnen zu erklären, dass es in dem Krisengebiet kein „nahes Hotel“ gebe.
Die verirrten Japaner mussten daraufhin wohl oder übel in der Siedlung übernachten, die als eine der radikalen Hochburgen in den Palästinensergebieten gilt. Erst am nächsten Morgen seien sie wieder in einen Bus gestiegen, der sie endlich an ihr ursprüngliches Reiseziel brachte.
Verfasst von: binsento in: Samstag, 12 Mai, 2007
Ich sehe, höre und rieche schier endlose Straßenzüge, gespannt zwischen winzigen Inseln aus Grün, entlang am Kanal, das Publikum der letzten Bahnen am Abend, rennende Menschen, die versuchen jener letzten Bahn die Zeit wegzulaufen, Tempel aus Holz, aus altem Steinfundament, das an Burgemäuer erinnert, erwachsene Hochhäuser, damit die Versinnbildlichung aller feuchten Architektenträume, in einem Würfel aus Wind, tanzende Blütenblätter, eine Frau, die ihren ersten Kuß von einer anderen Frau bekommt, quietschend und kreischend im Alkoholdunst, die Blicke aus den Augenwinkeln von Polizisten, immer noch mit langen Holzstöcken bewaffnet auf Patrouille, rauschende Hochstraßen, die metropolen Adern und Venen, alte Männer, verbraucht, die mir ihren Leuchtstäben Kreise in die nächtliche Luft zeichnen, einen grünlichen Himmel, wie Absinth und Asche, dumpf leuchtend über mir, Fetzen von Gesprächen, Lachen hier und dort, Shibuya, mittlerweile entleert von allem Ballast des Tages, es bleiben nur die Mutigen und Verrückten, zerlumpte Haufen am Straßenrand, die sich leicht heben und senken, Pärchen, auf der Suche nach einem Zimmer in den überfüllten Stundenhotels, Garküchen in denen sich prallgefüllte Sakkos aneinander auf winzigen Sitzen schmiegen, einen klebrigen, überfüllten Club in einer Nebenstraße, auf dem Rückweg durch verlassene Straßen den immer heller werdenden Himmel, ein Riesenrad und eine Achterbahn in dieser Stadt, die mich zum Zeugen ihrer täglichen Wiedergeburt gemacht hat.
Verfasst von: binsento in: Montag, 7 Mai, 2007
Nachdem ich in meiner mündlichen Prüfung schon (erfolgreich) über japanische Toiletten gesprochen habe, gibt es dazu jetzt hier das passende Video:
Verfasst von: binsento in: Mittwoch, 2 Mai, 2007
Hier noch einmal eine kleine Auswahl der großartigsten Wahlwerbespots, die die Wahl zum Gouverneur Tokyos in den letzten zwanzig Jahren hervorgebracht hat. Wie in Deutschland, gibt es in Japan eine Ausstrahlungspflicht für die Fernsehsender, was die Spots nur noch besser macht.
Nachtrag zum Nachtrag: http://www.youtube.com/watch?v=t-3QorADO8A&mode=related&search=
Kurz vorm Totenschein versucht Omi die Wahl zur Bügermeisterin Tokyos zu machen. Großartig. Besonders das Ende. Immerhin funktioniert hier die Demokratie soweit, daß sich jeder Großmama im Vorabendprogramm auf NHK ansehen kann.
Verfasst von: binsento in: Dienstag, 1 Mai, 2007
Heute seltsame Begegnungen auf dem Wohnheimflur. Eine Dame aus Dänemark, die vor über sieben Jahren hier gewohnt hat und nach einer solchen Zeit nun vor lauter Nostalgie an diesen Ort zurückkehrt. Irgendwie ein trauriges Gefühl, zu wissen, daß es nie wieder dasselbe sein wird. Da schüttelt also die Vergangenheit der Gegenwart die Hand. Und obwohl die Hand warm und trocken ist, bleibt der klebrige Abdruck der Vorbestimmung an mir haften. Noch drei Monate.