Wabi, Sabi, KABI?

Erster Tag im Wohnheim. Werde von Armeen von Schimmelpilzen hinter der Plastikverkleidung meiner WC- und Duscheinheit (erstaunlich, daß man ein ganzes Badezimmer auf einen Quadratmeter quetschen kann) begrüßt. Auch wenn eine schöne Patina hierzulande gerne gepflegt und kultiviert wird, kommt mir die Chlorbleiche aus dem Drugstore nur allzu recht. Und so sind meine Mitbewohner innerhalb einer Stunde auf etwa null dezimiert.

Japan ist ein feuchtes, warmes Land, dessen Klima mit großem Appetit sämtliche der Witterung ausgesetzen Dinge verschlingt. Vielleicht baut man eben deshalb Dinge lieber neu, als sie zu reinigen oder zu restaurieren. Dies erklärt sowohl die ungewollte Patina in meinem Bad, als auch die ungläubigen, fragenden Blicke bei meiner Nachfrage, wozu denn die stattliche Reinigungsgebühr verwendet wird, die ich noch zu zahlen habe.

Man scheint hier nicht ganz so eifrig kontrolliert zu werden, wie in Wohnheimen anderer Universitäten. Keine Wachmänner, kein Stacheldraht. Dafür ein gruselig anmutendes Einführungsvideo, welches mir der Australier in der Lobby gnädigerweise erspart, bevor er mir meinen Zimmerschlüssel überreicht.


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