Verfasst von: binsento in: Sonntag, 26 April, 2009
It’s time for change!
Auch in Japan ändert sich gerne alles und ständig. Beim Gang durch die Gässchen in den Vorstädten fällt auf, daß der Schiefzähnige SOA-Sonny seltener geworden ist. Anstelle seiner verkündet nun eine überaus attraktive, junge Mittvierzigerin mit blendenden Zähnen, sie habe eine Vision. Auf Englisch versteht sich. Selbstredend ist dies nicht das Englisch, welches einem auf den zahllosen Postern gegen sexuelle Belästigung oder gegen Drogengebrauch oder gegen schlechtes Benehmen in der U-Bahn begegnet. Also kein Englisch, gerichtet an/gegen die kiffenden Rüpelkriminellen mit den hohen Nasen.
I have a vision!
Das versteht wohl sogar Oma, die sich einmal die Woche mit ihren greisen Freundinnen zum Englischclub trifft, damit sie dann ein paar Jahre später, geistig verwirrt durch die Parks zum Kirschblütenfest bogaunert und versucht einen Weißen für ihre depressive Tochter zu ergattern. Obama hat seine großen Fußabdrücke quer in der Welt hinterlassen wie es aussieht und in den PR-Agenturen Japans scheinen in den letzten zwei Jahren so einige Köpfe gerollt zu sein. Die übertriebene Schlemil-Pathetik, ungewollt komisch bisweilen, scheint einer emotionalen Profipathetik Platz zu machen. Man hat gelernt vom großen Bruder aus Übersee. Und blicken wir doch der Wahrheit ins Auge, jeder Beteuerung, daß Wahlkampf argumentativ und nicht charismatisch geführt werden sollte zum Trotz, niemand möchte jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit tausende Konterfei eines pickeligen Lokalkandidaten mit seiner öligen Haut und den Pomaderesten im Haar sehen müssen. Und wenn der einzige meritto der hübschen Roboterfrau mit ihrer Vision der Umstand ist, daß mir das Frühstück bei ihrem Anblick nicht wieder hoch kommt oder ich sie zumindest leichter ignorieren kann, sei’s drum.
Der nächste Wahlkampf wird jedenfalls spannend.